Lilith & Eva

Was zieht uns an Männern an? Worauf achten wir Frauen, wenn wir uns dem männlichen Geschlecht zuwenden? Warum verlieben wir uns in die Männer, in die wir uns eben verlieben? Übrigens – die gleichen Fragen gelten auch für Männer in Bezug auf Frauen. Und wie genau gestalten wir Beziehung? Zu unserem Partner (unserer Partnerin) und vor allem zu uns selbst?


Wie Lilith und Eva hier genau auf Frauen (und Männer) und ihre Beziehungen wirken, wird durch das Buch von Hans-Joachim Maaz schön beleuchtet. «Der Lilith Komplex» zeigt auf, warum diese beiden Aspekte sowohl für Frauen wie auch für Männer relevant sind.


Aber um welchen Komplex geht es hier eigentlich? Nun, die Geschichte beginnt bei Adam und Eva. Oder um genau zu sein bei Adam und Lilith. Denn Eva war nicht die erste Frau an Adams Seite. Bevor Gott aus Adams Rippe (je nach Überlieferung unterscheidet sich hier die Entstehung) Eva schuf, lebte Adam mit Lilith im Paradies. Lilith war eine starke, unabhängige Frau, die nicht im Traum daran dachte, sich Adam unterzuordnen. Sie war selbstbewusst und hatte wenig Interesse daran, sich als Mutter tagein tagaus um Kinder kümmern zu müssen. Sie wollte beim Sex nicht unten liegen und damit dem Mann in dieser Position devot und ruhig zu dienen. Adam missfiel dieses Verhalten, weswegen er Gott um eine neue Frau bat. Und so geschah es. Auch hier unterscheiden sich die Überlieferungen. Doch am Ende wurde Lilith aus dem Paradies vertrieben und Eva an ihrer Stelle zu Adams Frau.


Sie war das Gegenteil von Lilith. Ruhig, angepasst, dienend. Sie kümmerte sich sowohl um das Wohl von Adam, wie auch für das Wohl der Familie und die Kinder. Lilith wird noch heute in Märchen und Geschichten als die «böse Stiefmutter» oder als «Hexe» benutzt.


Schauen wir uns diese beiden Aspekte einmal etwas genauer an. Dabei habe ich mich bei Elisa Allgaier als Quelle bedient. Vielen Dank für die wundervolle Beschreibung.


Lilith – die wilde Frau

Lilith symbolisiert die wilde Frau. Die Lebendigkeit, die selbstbestimmte Feuerkraft und Sexualität.


Eva – die Liebende

Sie steht für die Hingabe an das Leben. Die Liebe, die Sanftmut, gilt als die Gebärende und Umsorgende.


Was hat das jetzt mit unserer heutigen Zeit und mit den Beziehungen zu tun? Das wiederum ist im «Lilith Komplex» gut beschrieben. In jeder Frau stecken beide Aspekte. Wir alle verfügen also jeweils über eine Lilith und eine Eva, die in uns früher oder später zu einem Konflikt führen können. Die meisten Frauen, so der Autor Maaz, wissen intuitiv, dass sie bei der Wahl für eine Familie ihren Lilith-Aspekt für eine bestimmte Zeit zur Seite stellen, da Eva in der Familiengestaltung mehr Raum einnehmen wird. Die selbstbestimmte Feuerkraft der Lilith wird damit in den Hintergrund treten. Diese Entscheidung ist nicht immer zufriedenstellend – und ganz oft kommt es zu Spannungen innerhalb der Liebesbeziehung zwischen Frau und Mann.


Diese Entscheidung ist auch für den Mann schwer. Oft schaut sich der Ehemann nach einer ausserehelichen Lilith um, weil seine plötzlich auftauchende Eva Zuhause häufiger die Bedürfnisse der Kinder erfüllt und kaum noch Zeit und Lust für Sexualität hat. Eine Affäre ist sehr oft die Konsequenz aus dieser Situation.


Ich selbst kam nie in die Lage eine eigene Familie zu gründen. Und dennoch sind die Veranlagungen in mir mehr als spürbar. Ich habe jahrelang die «Eva» gelebt, habe mich angepasst, meine Bedürfnisse hintenangestellt und habe die Männer umsorgt. Bis ich mich eines Tages nicht mehr im Spiegel ansehen konnte und mich irgendwann mit viel Schmerz aus der Beziehung verabschiedete.


2017 verabschiedete ich mich erneut aus einer Beziehung, in der ich wieder zur Eva wurde. Nur um mich dann wenig später in einer Affäre wieder zu finden, in der meine Lilith endlich Raum bekam! Was ich ganz zu Beginn nicht wusste war, dass dieser Liebhaber verheiratet ist. Und als er es mir dann endlich beichtete, war es schon viel zu spät. Ich hatte mich Hals über Kopf in diesen Mann verliebt. Du magst mich deswegen verurteilen. Doch ich bitte dich, dieses Urteil für einen Moment auszublenden.


Es begann eine wilde Zeit, geprägt von heissen sexuellen Abenteuern, eine Zeit der puren Lust mit unendlich viel Leichtigkeit und sehr wenig Tabus. Danach hatte ich mich jahrelang gesehnt. Diese Affäre hatte (neben vielen sehr unschönen Aspekten) einen sehr entscheidenden Vorteil. Da realistischerweise nie wirklich eine Chance bestand, dass aus uns zwei Liebhabern eine Paar werden würde, konnte ich mich endlich als Lilith entfalten und ihre Qualitäten – zum ersten Mal in meinem Leben – voll und ganz ausleben.


Das ging zwei Jahre sehr gut. Dann meldete sich Eva wieder. Zuerst still und leise. Immer mehr spürte ich, dass meine Eva mehr wollte. Es reichte nicht mehr, die laszive, heisse Lilith zu sein. Und zwar zu den Stunden und Momenten, in denen mein Liebhaber sich Zeit nehmen konnte. Hinzu kamen die Tatsachen, dass die Umstände mit meinem Liebhaber einfach zu kompliziert waren und er am Ende seine Familie nicht verlassen wollte. «Fair enough». Doch meine Eva wurde lauter, wollte wieder Raum einnehmen. Und so wurde diese Affäre zu einer «on/off»-Beziehung. Immer frustrierender wurden die Begegnungen.


Und das bringt mich nun auch zurück zu den beiden Archetypinnen und dazu, welche Auswirkungen die beiden Aspekte sowohl im glücklichen wie auch im unglücklichen Zustand auf uns haben können. Auch hier habe ich mich wieder bei Elisa Allgaier als Quelle bedient.


Die zwei Seiten von Lilith

Ist Lilith glücklich, frei, authentisch, fühlt sie sich (vor allem von sich selbst) wertgeschätzt und geliebt, dann hat Lilith eine ebenso atemberaubende, sehr erotische Ausstrahlung. Eine Stärke, die von Innen wirkt. Ein Selbstbewusstsein, das einschüchternd wirken kann (ist der und diejenige gegenüber nicht genauso selbstsicher). Sie beschenkt ihr Umfeld mit ihrem Feuer, ihrer Klarheit und ihrer sexuellen Energie (die nicht nur ausschließlich auf den Akt von Sex bezogen ist, sondern vor allem Lebendigkeit und Lebensfreude bedeutet).


Ist Lilith unglücklich, unfrei, ausgebremst oder unterdrückt, dann kann sie von dominant, egozentrisch, rebellisch, aggressiv bis richtig brutal und zerstörerisch handeln. All diese Anzeichen sind Hinweise, dass das Wesen von Lilith leidet.


Die zwei Seiten von Eva

Ist EVA glücklich, frei, authentisch, fühlt sie sich (vor allem von sich selbst) wertgeschätzt und geliebt, dann hat Eva eine atemberaubende, von innen strahlende Schönheit. Dann kann sich Eva an das Leben und die Liebe voller Vertrauen hingeben (und das ist sehr mutig). Wenn Eva ihr Herz bedingungslos öffnet, hat sie unendlich viel zu geben: Sie nährt ihre Lieben und ihr Umfeld mit ihrer Liebe und ihrer Schönheit und hebt damit die Lebensqualität enorm an.


Ist EVA unglücklich, überfordert, ausgebrannt, fühlt sich ungesehen und nicht wertgeschätzt, wird Eva verschlossen, unruhig, aggressiv, passiv und kann richtig gemein und wertend in Worten und Taten werden. All diese Anzeichen sind Hinweise, dass das Wesen von Eva leidet.



Das Ziel meiner eigenen inneren Arbeit ist es, meine Eva zu entdecken. Zu erkennen, dass Eva so unendlich viele, wunderschöne Aspekte in sich trägt, die nun in mein Leben zurückkehren dürfen. Ohne Angst zu haben, dass ich mich wieder aufgebe und meine Bedürfnisse komplett aussen vor lasse. So dass ich mich auch aus dem Eva-Aspekt heraus, voller Vertrauen an das Leben und die Liebe hingeben kann.


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