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  • AutorenbildRebekka Bachmann

Freeze – Wie erkennst du eigentlich, dass dein Mitarbeiter vor lauter Stress gerade eingefroren ist?

Aktualisiert: 5. Apr.


Wenn du etwas in meinem Herzstück geschmökert hast, dann hast du einiges über unsere Biologie, Evolution und drei Überlebensstrategien gelesen. Falls du noch nicht geschmökert hast und dich das Thema interessiert, please feel free…


Wir Menschen verfügen in Stresssituationen über drei Möglichkeiten, auf äussere Begebenheiten zu reagieren. Zum Beispiel kann uns Kritik wütend machen, so dass wir unsere Wut lautstark äussern. Dies ist die so genannte «Fight» Strategie, wir schlagen (verbal) zurück. Die zweite Strategie ist «Flight», wir fliehen möglichst schnell aus der unangenehmen Situation. Die dritte Strategie ist «Freeze» – wir erstarren vor lauter Stress und funktionieren irgendwie weiter.


Im Gegensatz zu den ersten zwei Strategien merkt man einem Menschen kaum an, dass er innerlich gerade überfordert ist. Selbst ich habe das lange Zeit nicht realisiert. Ich ertappte mich manchmal dabei, dass mir gefühlt einige Sekunden fehlten und ich gar nicht mehr wusste, was in dieser Zeit geschah. Von aussen angemerkt? Fehl am Platz. Niemand hat dies jemals wahrgenommen. Um dieses Phänomen zu erklären, hole ich ein wenig aus.


«Freeze» ist eine Überlebensstrategie, zu der wir bereits als Babys in der Lage sind. Die Strategie ist naturgegeben und funktioniert in der Tierwelt identisch. Wenn du magst, findest du hier und hier zwei Beispiele einer Gazelle, die sich tot stellt und dadurch ihr Überleben sichert. Was für Gazellen Angriffe von Wildkatzen sind, können für uns Menschen übermässige Kritik, Wutausbrüche oder Streitereien zwischen den Eltern sein. In ganz frühen Jahren können dadurch Gefühle der Bedrohung ausgelöst werden, die zur Überforderung führen können. Unser Gehirn löst Alarm aus, der Körper schaltet in ein Notprogramm und wir stellen uns tot. Ich weiss, das klingt dramatisch. Doch es soll dir aufzeigen, dass heftig empfundener Stress mehr ist als bloss ein wenig Hektik im Kopf.


Der Freeze mag sowohl für die Gazelle wie auch für das überforderte Kinde die beste Strategie sein. Sie «überleben» eine für sie äusserst schwierige Situation. Wenn diese Strategie die Kindheit allerdings überdauert und bis ins Erwachsenenalter hinein wirkt, dann wird es für den Betroffenen und alle Beteiligten anspruchsvoll. Freeze ist eine der fiesesten Strategien, die meine Kindheit überdauerte und mich bis vor Kurzem noch immer steuerte. Und ich bin jetzt 48 Jahre alt. Ich selbst verlor in solchen Situationen die komplette Kontrolle – Gehirn und Urinstinkte übernahmen das Steuer. Ich habe mich wohl bewegt oder gar mit Worten irgendwie kommunizieren – aber im Moment des Einfrierens bekam ich nichts mehr mit. Es war, als ob ein Teil von mir verschwand. Im fachlichen Jargon nennt man dieses Verhalten «dissoziieren». Rückblickend weiss ich, dass ich mich immer wieder mal im Freeze-Modus befand, ohne dass das jemandem aufgefallen wäre. Keiner Freundin, keinem Lebenspartner, keiner Arbeitskollegin, keinem Chef.


Ah Chef, genau da wären wir wieder. Was kannst du als Führungskraft also tun, falls du bei einem Mitarbeiter Fragezeichen hast? Hier sind einige Tipps, woran du vielleicht erkennen kannst, ob der Freeze zugeschlagen hat. Eines vorweg: Deine Aufgabe als Führungskraft ist das Beobachten und Wahrnehmen – nicht aber das «Therapieren». Selbst mir fehlen die Werkzeuge für solche Fälle. Hier braucht es die Begleitung von therapeutisch ausgebildeten Fachleuten.


Hinweise:

  1. Dein Mitarbeiter ist mit kleinsten Entscheidungen überfordert und zögert sie möglicherweise immer wieder heraus. Aus deiner Perspektive scheinen diese Entscheidungen äusserst leicht und einfach zu sein.

  2. Dein Mitarbeiter zieht sich immer mehr zurück, verbringt seine Pausen lieber alleine und vernachlässigt den Kontakt mit den Kollegen.

  3. Dein Mitarbeiter wirkt manchmal eher teilnahmslos und scheint alles wie in einem Autopiloten zu erledigen. Vielleicht wirkt er wie ein Roboter oder seine Äusserungen ergeben wenig Sinn.


Was solltest du tun?

  • Kehre die Dinge nicht unter den Teppich, auch wenn dir das Ansprechen unangenehm erscheint.

  • Äussere deine Beobachtungen möglichst neutral und ohne Bewertung.

  • Biete Hand zur Lösung.

  • Respektiere, wenn er darauf nicht eingeht.

  • Beobachte im Falle einer Ablehnung weiter.

  • Dokumentiere die Beobachtungen und Gespräche


Falls sich die Arbeitssituation nicht verändert, wirst du genügend offizielle Wege zur Verfügung haben, wenn er deine Hand nicht greifen will. Auch das ist eine Entscheidung, die wir dem anderen nicht abnehmen können – und auch nicht sollen.



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